Meldung · Quelle: IKK e.V., 19.08.2026
Die Innungskrankenkassen sehen die gesetzliche Krankenversicherung trotz des vor der Sommerpause auf den Weg gebrachten GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes weiter unter finanziellem und strukturellem Druck. Auf ihrer Sommer-Pressekonferenz am 19. August 2026 in Berlin richteten sie Forderungen nach Strukturreformen an den neuen Gesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU). „Das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz war notwendig, aber es ist nur ein erster Schritt“, sagte Hans-Jürgen Müller, Vorstandsvorsitzender des IKK e.V. Die Innungskrankenkassen haben zusammen fünf Millionen Versicherte.
Als Ursachen nennt der Verband, dass die Ausgaben schneller wachsen als die Einnahmen, versicherungsfremde Leistungen nicht vollständig aus Steuermitteln bezahlt werden und Reformen etwa im Krankenhausbereich ausbleiben oder abgeschwächt werden. Das Bundesgesundheitsministerium rechnet bis 2027 mit einer Finanzlücke von rund 30 Mrd. Euro bei den Kranken- und Pflegekassen. Um die durchschnittlichen Zusatzbeiträge auf dem heutigen Stand zu halten, sind im kommenden Jahr laut IKK e.V. Einsparungen von 18,8 Mrd. Euro erforderlich.
Gefordert werden eine vollständige und dynamische Steuerfinanzierung versicherungsfremder Leistungen, eine breitere Finanzierungsgrundlage über die Löhne hinaus, etwa durch Abgaben auf Tabak, Alkohol und Zucker, mehr Prüf- und Steuerungsrechte für die Selbstverwaltung sowie größere Einsparbeiträge aus dem Krankenhaus- und Arzneimittelbereich. Den zweiten Bericht der FinanzKommission Gesundheit, der bis spätestens Dezember 2026 vorliegen soll, sehen die Kassen als Rahmen für Reformen auf der Einnahmen- und Ausgabenseite. Frank Hippler, Vorstandsvorsitzender der IKK classic, sprach sich für ein vernetztes Primärversorgungssystem aus, das Versicherte schneller in die passende Behandlung führt, verbunden mit Digitalisierung und Prävention. Eine pauschale Pflicht zu Kassenfusionen lehnen die Innungskrankenkassen ab, weil sie davon keine beitragsrelevanten Einsparungen erwarten.
Originalmitteilung: IKK e.V., 19.08.2026
Stand: 19.08.2026. Die Meldung fasst die Mitteilung redaktionell zusammen; maßgeblich ist das Original.