Angehörigenpflege könnte 2045 rund 229.000 Vollzeitstellen kosten

Meldung · Quelle: Bertelsmann Stiftung, 20.10.2026

Die Pflege von Angehörigen schränkt die Erwerbstätigkeit in Deutschland in wachsendem Umfang ein. Das geht aus einer Untersuchung hervor, die die Prognos AG gemeinsam mit der Bertelsmann Stiftung erstellt hat und die am 20. Oktober 2026 vorgestellt wurde. Ausgewertet wurden Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) und des Statistischen Bundesamts sowie Fachliteratur. Die Werte für 2026 und 2045 sind Modellrechnungen, bei denen die Struktur der Pflegenden und ihr Erwerbsverhalten konstant gehalten werden.

Für 2023 weist die Studie rund 4,6 Millionen pflegende Angehörige im erwerbsfähigen Alter aus, das entsprach 8,7 Prozent der Bevölkerung im Erwerbsalter. Bis 2045 könnte der Anteil auf etwa 13,3 Prozent steigen. Wer pflegt, verringert häufig die Arbeitszeit oder unterbricht den Beruf. In Vollzeitäquivalente umgerechnet beziffert die Studie diesen Verlust auf 184.000 im Jahr 2026 und 229.000 im Jahr 2045. Nahezu der gesamte Rückgang entfällt auf Personen, die mehr als zehn Stunden pro Woche pflegen.

Frauen stellen 63 Prozent der Pflegenden und pflegen im Schnitt sechs Stunden pro Woche mehr als Männer. Für 2045 rechnet die Studie mit rund 580.000 Frauen, die pflegebedingt weniger oder gar nicht erwerbstätig sind. Das entspricht 173.000 Vollzeitäquivalenten und drei Vierteln des Gesamtverlusts. „Wir dürfen den wachsenden Pflegebedarf nicht mit Rückschritten bei der Gleichstellung bezahlen“, sagte Michaela Hermann, Arbeitsmarktexpertin der Bertelsmann Stiftung.

Als Ansatzpunkte für Arbeitgeber nennt die Stiftung verlässliche Absprachen über angepasste und flexiblere Arbeitszeiten, wo möglich Homeoffice sowie Unterstützung beim Wiedereinstieg nach einer Pause. Auf politischer Ebene verweist sie unter anderem auf das im Koalitionsvertrag angekündigte Familienpflegegeld, ein Familienbudget und einen leichteren Zugang zu Tages- und Kurzzeitpflege. Für Personal- und Gesundheitsmanagement betrifft das die Vereinbarkeitsangebote für Beschäftigte mit Pflegeverantwortung.

Originalmitteilung: Bertelsmann Stiftung, 20.10.2026

Stand: 20.10.2026. Die Meldung fasst die Mitteilung redaktionell zusammen; maßgeblich ist das Original.

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