Die Balanced Scorecard, kurz BSC, ist ein Steuerungskonzept, das Vision und Strategie einer Organisation in konkrete Ziele und Kennzahlen übersetzt. Ob die Strategie umgesetzt wird, misst die Organisation an diesen Kennzahlen. Ausgewogen ist die Karte, weil sie neben finanziellen Größen auch die Sicht der Kundschaft, die internen Abläufe und die Entwicklungspotenziale abbildet.
Grundlagen und Perspektiven
Nach der Darstellung in der DGUV Information 211-043 (Januar 2020) leitet die BSC kritische Erfolgsfaktoren aus vier Perspektiven ab: einer finanzwirtschaftlichen Perspektive, einer Kundenperspektive, einer internen Perspektive mit den Prozessen, in denen Verbesserungsbedarf gesehen wird, und einer Lern- und Entwicklungsperspektive. Für jeden Erfolgsfaktor werden Kennzahlen festgelegt und Aktionsprogramme entwickelt, die die Zielerreichung fördern sollen. Dieselben Kennzahlen können zugleich in quantitative Evaluationen von Maßnahmen eingehen.
Die Perspektiven lassen sich an den Einsatzbereich anpassen. Für das betriebliche Gesundheitsmanagement nennt die DGUV Information 206-022 in der Ausgabe März 2026 vier Messbereiche: Erfolg, Gesundheit und Beschwerden, Prozesse des Gesundheitsbereichs sowie Potenziale des Gesundheitsbereichs. Die BSC gilt dort als Instrument der unternehmensinternen Koordination, das finanzielle und nicht finanzielle Kennzahlen zueinander ins Verhältnis setzt.
Übertragung auf Krankenhaus und Praxis
Die folgende Zuordnung zeigt beispielhaft, welche im Gesundheitswesen ohnehin erhobenen Daten sich den klassischen Perspektiven zuordnen lassen:
| Perspektive | Mögliche Kennzahl | Daten- oder Rechtsbezug |
|---|---|---|
| Finanzen | Abweichung vom Erlösbudget, Deckungsbeiträge je Fachabteilung | § 4 KHEntgG, Kosten- und Leistungsrechnung nach § 8 KHBV |
| Patientinnen und Patienten | Ergebnisse von Patientenbefragungen, Beschwerdeaufkommen | Qualitätsbericht nach § 136b Abs. 6 SGB V, Beschwerdemanagement nach QM-Richtlinie |
| Interne Prozesse | Ergebnisse von QS-Indikatoren, Anteil unbeanstandeter Abrechnungen | QS-Verfahren des IQTIG, § 275c SGB V |
| Lernen und Entwicklung | Personalausstattung, Teilnahme an Fortbildungen | Personaldaten nach § 21 KHEntgG, Fortbildungsempfehlung der QM-Richtlinie |
Einen Rahmen für Ziele und Kennzahlen setzt die Qualitätsmanagement-Richtlinie des G-BA: Qualitätsmanagement ist an konkreten Qualitätszielen zur Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität auszurichten, und das Messen und Bewerten von Qualitätszielen gehört zu den verpflichtenden Methoden (Teil A §§ 2 und 4, Fassung in Kraft seit 20. August 2026). Eine bestimmte Methode wie die BSC schreibt die Richtlinie nicht vor; Einrichtungen können ihr System selbst ausgestalten oder auf vorhandene Modelle zurückgreifen.
Abgrenzung zu verwandten Instrumenten
Die BSC richtet den Blick auf die eigene Strategie. Benchmarking vergleicht dagegen mit anderen Einrichtungen; seine Ergebnisse können als Zielwerte in eine Scorecard eingehen. Der PDCA-Zyklus beschreibt das schrittweise Vorgehen aus Planung, Umsetzung, Überprüfung und Verbesserung, in dessen Takt Kennzahlen und Ziele einer Scorecard überprüft werden können. Die BSC ist damit kein eigenes Qualitätsmanagementsystem, sondern ein Ordnungsrahmen für Ziele und Kennzahlen.