Klinisches Risikomanagement

Auch: Clinical Risk Management, Risikomanagement im Krankenhaus, klinisches RM

Systematisches Erkennen, Bewerten, Bewältigen und Überwachen von Risiken in der Patientenversorgung; nach der QM-RL Führungsaufgabe der Krankenhausleitung und verbindlicher Teil des einrichtungsinternen Qualitätsmanagements auf Grundlage von § 136a Abs. 3 SGB V.

Klinisches Risikomanagement bezeichnet den systematischen Umgang mit Risiken in der Patientenversorgung. Es umfasst das Erkennen, Bewerten, Bewältigen und Überwachen von Risiken sowie die Analyse kritischer Ereignisse und eingetretener Schäden, aus der Präventionsmaßnahmen abgeleitet werden. Angestrebt wird eine Sicherheitskultur, in der Gefahren früh sichtbar werden.

Grundlagen in SGB V und QM-RL

§ 136a Abs. 3 SGB V verpflichtet den Gemeinsamen Bundesausschuss, wesentliche Maßnahmen zur Verbesserung der Patientensicherheit und Mindeststandards für Risikomanagement- und Fehlermeldesysteme festzulegen; Krankenhäuser berichten über die Umsetzung im Qualitätsbericht. Die Qualitätsmanagement-Richtlinie, zuletzt geändert am 18. Juni 2026, verlangt in Teil A § 4 eine individuelle Risikostrategie mit strukturierter Risikokommunikation und schließt einen Verzicht auf diese Mindeststandards aus. Die Pflicht zum einrichtungsinternen Qualitätsmanagement selbst folgt aus § 135a Abs. 2 SGB V.

Pflichten und Instrumente im Krankenhaus

Für den stationären Sektor konkretisiert Teil B Abschnitt I der Richtlinie die Anforderungen. Qualitäts- und klinisches Risikomanagement sind dort als Führungsaufgabe der Leitungsebene benannt. Ein übergeordnetes, berufsgruppenübergreifendes Gremium mit enger Einbindung der Krankenhausleitung soll die Umsetzung koordinieren, Doppelstrukturen von Qualitäts- und Risikomanagement sind möglichst zu vermeiden. Als Instrumente nennt die Richtlinie beispielhaft:

  • Fehlermeldesysteme wie CIRS,
  • Risiko-Audits,
  • Morbiditäts- und Mortalitätskonferenzen,
  • Fallanalysen.

Hinzu kommen OP-Checklisten bei Eingriffen mit zwei oder mehr Ärztinnen und Ärzten oder unter Sedierung sowie ein patientenorientiertes Beschwerdemanagement; auch auf diese beiden Elemente darf ein Krankenhaus nicht verzichten. Für Leitungen ergibt sich daraus eine Steuerungsaufgabe: Risikoinformationen aus Meldesystemen, Beschwerden und Konferenzen zusammenführen, Maßnahmen priorisieren und ihre Wirkung überprüfen.

Abgrenzung

Die QM-RL ordnet die Begriffe ineinander: Fehlermanagement, also der systematische Umgang mit Fehlern, ist Teil des Risikomanagements, und Fehlermeldesysteme sind ein Instrument des Fehlermanagements. Klinisches Risikomanagement reicht damit über das Melden hinaus und bezieht alle Risiken der Versorgung aus Sicht der Patientinnen und Patienten wie der Beschäftigten ein. Gegenüber dem allgemeinen Qualitätsmanagement liegt der Schwerpunkt auf der Patientensicherheit, die die Präambel der Richtlinie als vorrangiges Ziel nennt.

Qualifikation und Karrierewege der Fachkräfte, die diese Aufgaben in vielen Häusern bündeln, behandelt der Beitrag zum Berufsfeld klinisches Risikomanagement; dieser Eintrag beschränkt sich auf die Pflichten der Einrichtung.

Verwandte Begriffe

Rechtsgrundlagen und Quellen

Stand der Angaben: Oktober 2026

Alle Begriffe im Glossar Gesundheitswesen