Meldung · Quelle: GKV-Spitzenverband, 15.10.2026
Der GKV-Schätzerkreis hat für 2027 einen rechnerisch ausgabendeckenden durchschnittlichen Zusatzbeitragssatz von 2,9 Prozent ermittelt. Der GKV-Spitzenverband sieht darin nach seiner Mitteilung vom 15. Oktober 2026 ein Zeichen, dass sich die Finanzen der gesetzlichen Krankenversicherung stabilisieren. Im Schätzerkreis sitzen Vertreter des Bundesministeriums für Gesundheit, des Bundesamts für Soziale Sicherung und des GKV-Spitzenverbands. Nach aktuellem Stand wächst der Abstand zwischen Einnahmen und Ausgaben im kommenden Jahr nicht weiter. Der Verband führt das auf ausgabensenkende Vorgaben des Beitragssatzstabilisierungsgesetzes und auf Mehreinnahmen zurück, etwa durch die angehobene Beitragsbemessungsgrenze und höhere Beiträge der Arbeitgeber für geringfügig Beschäftigte.
Zugleich benennt er Risiken. Eine geplante Standortklausel würde Pharmaunternehmen mit Forschung und Produktion in Deutschland unter bestimmten Bedingungen ganz oder teilweise vom zusätzlichen Herstellerrabatt auf patentgeschützte Arzneimittel befreien. Ohne vollständige Gegenfinanzierung kämen laut Verband auf die Beitragszahlenden bis zu 1,3 Milliarden Euro zu. In der Schätzung ist das nicht enthalten, weil zum Stichtag weder Gesetzentwurf noch Änderungsantrag vorlagen. Zudem kürzt der Bund 2027 seine Beteiligung an familienpolitischen Leistungen um 1,35 Milliarden Euro, während sein Beitrag für die Versorgung von Grundsicherungsbeziehenden um 1 Milliarde Euro steigt. Per Saldo entsteht nach Rechnung des Verbands eine Mehrbelastung von rund 350 Millionen Euro. Einzelne Kassen müssen außerdem ihre Mindestrücklage noch auffüllen.
Für 2027 fordert der Verband Strukturreformen: eine digital gestützte Primärversorgung, eine Notfallreform mit besserer Verzahnung von Notfallversorgung und Rettungsdienst, die konsequente Umsetzung der Krankenhausreform durch die Länder, mehr Prävention und einen gezielteren Einsatz von Digitalisierung und KI. „Stabilität kann es aber nur geben, wenn der eingeschlagene Kurs konsequent weiterverfolgt wird“, sagt Vorstandsvorsitzender Oliver Blatt.
Originalmitteilung: GKV-Spitzenverband, 15.10.2026
Stand: 15.10.2026. Die Meldung fasst die Mitteilung redaktionell zusammen; maßgeblich ist das Original.