WIdO: Höhere Schwellenwerte für Pflegegrade sparen weniger als geplant

Meldung · Quelle: Wissenschaftliches Institut der AOK (WIdO), 02.09.2026

Die von der Bundesregierung geplante Anhebung der Schwellenwerte für die Pflegegrade wird nach einer Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) deutlich weniger Geld sparen als angenommen. Statt der erwarteten rund 4 Mrd. Euro hält das Institut jährlich etwa 2 Mrd. Euro für realisierbar. Die Einsparungen könnten damit um bis zu 50 Prozent niedriger ausfallen. Das WIdO hat die Ergebnisse am 2. September 2026 veröffentlicht.

Die Anhebung ist im Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG) vorgesehen und soll die Pflegeversicherung finanziell stabilisieren. Für die Einstufung in einen Pflegegrad wäre dann in der Begutachtung eine höhere Punktzahl nötig. Das Bundesministerium für Gesundheit rechnet laut WIdO mit Einsparungen von 1,3 Mrd. Euro im Jahr 2027 und 4,2 Mrd. Euro im Jahr 2030.

Grundlage der Analyse sind die Begutachtungsergebnisse von rund 1,1 Mio. AOK-Versicherten, die 2024 erstmals vom Medizinischen Dienst begutachtet wurden oder eine Höherstufung beantragt hatten. Bei den Erstbegutachtungen lagen 2024 knapp 21 Prozent, bei den Höherstufungen rund 16 Prozent der Bewertungen knapp oberhalb eines Schwellenwerts. Etwa die Hälfte dieser Häufung führt das Institut auf Anreiz- und Verhaltenseffekte zurück. Es geht davon aus, dass sich Begutachtung und Antragsverhalten an neue Schwellen anpassen. Vorgezogene Anträge könnten die Ausgaben zudem kurzfristig erhöhen und den Medizinischen Dienst zusätzlich belasten.

WIdO-Geschäftsführer David Scheller-Kreinsen hält eine Anpassung der Schwellenwerte als alleinige Maßnahme für unzureichend. Das Institut plädiert dafür, das gesamte Begutachtungssystem zu evaluieren und dabei auch die Wirksamkeit der Pflegeleistungen zu untersuchen. Für Pflegeeinrichtungen, Pflegekassen und Pflegeberatung betrifft die Reform die Einstufung künftiger Antragstellender. Die Analyse ist als WIdO e-Paper 14 (2026) erschienen.

Originalmitteilung: Wissenschaftliches Institut der AOK (WIdO), 02.09.2026

Stand: 02.09.2026. Die Meldung fasst die Mitteilung redaktionell zusammen; maßgeblich ist das Original.

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