Gesundheitsökonomie wendet die Fragen und Methoden der Wirtschaftswissenschaften auf das Gesundheitswesen an. Sie untersucht, wie Mittel zwischen Versorgungsbereichen verteilt werden, wie Vergütungssysteme das Verhalten von Leistungserbringern beeinflussen und in welchem Verhältnis Nutzen und Kosten einer Leistung stehen. Berufsfelder und Wege in die Disziplin stellt ein eigener Beitrag zur Gesundheitsökonomie vor.
Fragestellungen und Daten
Auf der Makroebene geht es um Umfang und Finanzierung der Gesundheitsausgaben. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts entsprachen sie 2024 einem Anteil von 12,4 Prozent am Bruttoinlandsprodukt; 1994 lag dieser Anteil bei 9,5 Prozent. Gegenüber 2023 stiegen die Ausgaben um 7,6 Prozent. Auf die gesetzliche Krankenversicherung entfielen 2024 55,9 Prozent der Ausgaben, auf die soziale Pflegeversicherung 12,0 Prozent. Nach Einrichtungen gegliedert entfielen 2024 auf ambulante Einrichtungen 48,2 Prozent und auf teil- und vollstationäre Einrichtungen 36,7 Prozent; pflegerische Leistungen machten 25,3 Prozent der Ausgaben aus. Auf der Mikroebene analysiert die Disziplin Preise, Anreize und Effizienz einzelner Einrichtungen, etwa die Wirkung von Fallpauschalen im DRG-System oder die Anforderungen des Wirtschaftlichkeitsgebots an das Leistungsgeschehen.
Verankerung im SGB V
Das Sozialrecht nennt die Disziplin ausdrücklich. Nach § 35b Abs. 1 SGB V beauftragt der G-BA auf Antrag nach § 130b Abs. 8 das IQWiG mit einer Kosten-Nutzen-Bewertung von Arzneimitteln. Bewertet wird der therapeutische Zusatznutzen im Verhältnis zu den Kosten; Methoden und Kriterien bestimmt das Institut nach den international anerkannten Standards der evidenzbasierten Medizin und der Gesundheitsökonomie. In die wirtschaftliche Bewertung gehen auch Angemessenheit und Zumutbarkeit einer Kostenübernahme durch die Versichertengemeinschaft ein. Auf dieser Grundlage beschließt der G-BA über Zusatznutzen und Therapiekosten; der Beschluss wird Teil der Arzneimittel-Richtlinie (§ 35b Abs. 3). § 139a Abs. 4 SGB V verpflichtet das IQWiG allgemein, ökonomische Bewertungen nach den maßgeblichen internationalen Standards, insbesondere der Gesundheitsökonomie, vorzunehmen.
In Studium und Management
In Kliniken, Krankenkassen und Pflegeeinrichtungen fließen gesundheitsökonomische Methoden in Investitionsrechnungen, Vertragskalkulationen und die Bewertung neuer Versorgungsmodelle ein. Im Studium verbindet das Fach Volkswirtschaftslehre, Statistik und Wissen über Versorgungsstrukturen. Typische Verfahren sind Kosten-Nutzen- und Kosten-Effektivitäts-Analysen, Kostenstudien und Modellrechnungen, die Verteilungsentscheidungen nachvollziehbar machen sollen. Eng verwandt ist die Versorgungsforschung, die ökonomische Fragen mit Daten aus dem Versorgungsalltag unterlegt.