Die Zulassung zur vertragsärztlichen Versorgung berechtigt und verpflichtet eine Ärztin, einen Arzt oder ein Medizinisches Versorgungszentrum, gesetzlich Versicherte zulasten der Krankenkassen zu behandeln. Sie wird für einen konkreten Vertragsarztsitz erteilt, also für den Ort der Niederlassung, und macht die zugelassene Person zum Mitglied der zuständigen Kassenärztlichen Vereinigung. Im Alltag ist meist von der Kassenzulassung die Rede.
Rechtsgrundlage und Verfahren
Maßgeblich ist § 95 SGB V. Teilnehmer an der vertragsärztlichen Versorgung sind danach zugelassene Ärztinnen und Ärzte, zugelassene MVZ sowie ermächtigte Ärztinnen, Ärzte und Einrichtungen (Abs. 1 Satz 1). Bewerben kann sich, wer im Arztregister eingetragen ist; diese Register führen die Kassenärztlichen Vereinigungen für jeden Zulassungsbezirk (Abs. 2 Satz 1 und 2). Das Nähere regelt die Zulassungsverordnung für Vertragsärzte (Ärzte-ZV).
Über den Antrag beschließt der Zulassungsausschuss. Nach § 96 SGB V bilden ihn Kassenärztliche Vereinigung, Landesverbände der Krankenkassen und Ersatzkassen gemeinsam je Zulassungsbezirk. Ärzte- und Kassenseite stellen gleich viele Mitglieder, der Vorsitz wechselt, und bei Stimmengleichheit gilt ein Antrag als abgelehnt. Gegen Beschlüsse lässt sich der Berufungsausschuss anrufen, was aufschiebende Wirkung hat (Abs. 4). Gelten im Planungsbereich Zulassungsbeschränkungen nach der Bedarfsplanung, sind neue Anträge abzulehnen (§ 95 Abs. 2 Satz 9). Ein bestehender Sitz wechselt dann über das Nachbesetzungsverfahren den Inhaber.
Pflichten aus dem Versorgungsauftrag
Mit der Zulassung entsteht die Pflicht zur Teilnahme im Umfang des Versorgungsauftrags (§ 95 Abs. 3 Satz 1). § 19a Ärzte-ZV konkretisiert diesen Umfang: Ein voller Auftrag umfasst mindestens 25 Wochenstunden Sprechstunden für gesetzlich Versicherte. Fachärztinnen und Fachärzte der grundversorgenden und wohnortnahen Versorgung müssen mindestens fünf Stunden wöchentlich als offene Sprechstunde ohne Termin anbieten. Der Auftrag lässt sich durch Erklärung gegenüber dem Zulassungsausschuss auf die Hälfte oder drei Viertel beschränken, die Mindestzeiten gelten dann anteilig.
Die Kassenärztliche Vereinigung prüft die Einhaltung. Unterschreitet eine Praxis die Mindestzeit in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen, folgen eine Aufforderung und gegebenenfalls Vergütungskürzungen; bei wiederholtem Verstoß entzieht der Zulassungsausschuss die Zulassung zu einem Viertel, zur Hälfte oder vollständig (§ 19a Abs. 4 Ärzte-ZV). Daneben kennt § 95 SGB V das Ruhen der Zulassung (Abs. 5), die Entziehung etwa bei gröblicher Pflichtverletzung (Abs. 6) und das Ende durch Tod, Verzicht oder Wegzug aus dem Bezirk des Sitzes (Abs. 7).
Bedeutung für Praxis- und MVZ-Management
Für die Steuerung ambulanter Einrichtungen ist die Zulassung die maßgebliche Kapazitätseinheit. Geplant wird in ganzen, Dreiviertel- und halben Versorgungsaufträgen, nicht in Köpfen. Anstellungen bei Vertragsärztinnen und Vertragsärzten brauchen die Genehmigung des Zulassungsausschusses (§ 95 Abs. 9), und eine Anstellung kann auf Antrag in eine Zulassung umgewandelt werden (Abs. 9b). Die Auswertung des Bundesarztregisters durch die KBV zeigt die Verschiebung: Der Anteil Angestellter stieg von rund 18 Prozent (2016) auf rund 31 Prozent (2025), der Teilzeitanteil im selben Zeitraum von 20 auf 40 Prozent. Träger von MVZ und Praxisinhabende verbinden deshalb Sitzbestand, Sprechstundenpflichten und Nachfolge in einer gemeinsamen Planung.
Abgrenzung der Teilnahmeformen
| Form | Grundlage | Merkmal |
|---|---|---|
| Zulassung | § 95 Abs. 1 bis 3 SGB V | eigener Vertragsarztsitz, Mitgliedschaft in der KV, voller oder beschränkter Versorgungsauftrag |
| Anstellung | § 95 Abs. 9 SGB V | Tätigkeit bei einer Vertragsärztin, einem Vertragsarzt oder im MVZ, genehmigungspflichtig |
| Ermächtigung | § 95 Abs. 4 SGB V | Teilnahme ohne Zulassung, Rechte und Pflichten wie bei zugelassenen Teilnehmenden |